„Eine Insel der Zukunft“

von Anna-Lena Hecht

1970, ein Jahr vor der Fertigstellung des Gebäudes, sprach die SÜDWEST PRESSE von einer “Insel der Zukunft”. 

2014 knapp 45 Jahre später ist von dieser anfänglichen Euphorie nicht mehr viel übrig geblieben. Das Universum Center die einstige „Insel der Zukunft“ ist für viele nur noch ein Schandfleck in der Ulmer Innenstadt. Die Südwest Presse berichtet in ihrem Netzfeature „Ein Universum für sich“ über den Wandel des Centers und seine heutigen Bewohner.

„War es doch Mord?“

Durch einfaches Scrollen gelangt man zum ersten Abschnitt des Features. Dort sind vier Ausschnitte von Zeitungsartikeln über das Universum Center zu sehen. Diese Ausschnitte dienen als Buttons um per Mausklick zu den dahinterstehenden Geschichten zu gelangen. Die Texte sind angelehnt an die Zeitungsartikel und erzählen die Ereignisse redaktionell aufgearbeitet. Durch Scrollen kann man sich dann durch die einzelnen kleinen Geschichten lesen. So ist übrigens auch das ganze Feature aufgebaut. Nach dem Lean-Forward-Prinzip kann man sich durch Scrollen und Klicken durch das gesamte Feature arbeiten.

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Aber zurück zum ersten Abschnitt. Darin wird das Universum Center erstmal in ein schlechtes Licht gerückt, denn in den Artikeln ist von Mord, Drogenmilieu, Brandstiftung und illegalen Bordellen die Rede. Man bekommt einen Einblick in eine Realität, lange nach der anfänglichen Blütezeit des Centers. Leider erfährt man jedoch nicht, wann genau diese Artikel erschienen sind. Die einzelnen Geschichten hinter den Artikeln umfassen circa zwei Seiten und sind somit gut zu lesen. In der Geschichte „Razzia im Universum Center“ ist eine kleine Fotostrecke hinterlegt, die die beschriebene Situation veranschaulichen soll. Leider sind auf den Bildern hauptsächlich Polizeifahrzeuge und Polizisten in der Dunkelheit zu sehen. Die Fotos veranschaulichen zwar das Ausmaß der Razzia, geben aber keinen weiteren Einblick in die Vorkommnisse dieser Nacht.

„Ihr schreibt unser Haus kaputt.“

Diesen Satz kann man im Einführungstext über das Center lesen, der von den Artikeln zum nächsten Abschnitt überleitet. Darin wird kurz die einstige Vision sowie die jetzige Situation des Universum Centers beschrieben.

Durch weiteres Scrollen gelangt man dann zum einzigen datenjournalistischen Teil des Features. Dieser beinhaltet eine interaktive Grafik des Universum Centers. Man sieht den Bau des Centers, an dem einzelne Infopunkte verlinkt sind. Diese Punkte kann man mit der Maus berühren und erhält dann Infos wie „Im Haus gibt es 121 Wohnungen“ und „Das Universum Center hat 22 Stockwerke“. Auch für mich eher unwichtige Informationen wie „Die Bowlingbahn im Keller des Universum Centers ist seit 1996 geschlossen“ sind in den sechs Infopunkten enthalten. Ich hätte mir ein paar mehr Informationen gewünscht, gerade weil es die einzige Infografik des ganzen Features ist. Beispielsweise eine Gegenüberstellung: „Was war früher – Was ist heute“, hätte mir gut gefallen.

„Ich wohne gerne hier. Die Lage ist super“

Im nächsten Abschnitt, welches auch den größten Teil des Features darstellt, werden die Bewohner des Centers befragt. In sechs kleinen Porträts stellen sich die unterschiedlichsten Menschen vor, die eines gemeinsam haben: Sie wohnen alle im Universum Center in Ulm. Und trotz aller negativer Schlagzeilen lässt sich eine deutliche Tendenz bei den Bewohnern erkennen. Von der Studentin, über den Hausmeister bis hin zur Rentnerin, sie alle wohnen doch irgendwie gerne dort. Die 90 jährige Helma Fink-Sautter sagt über das Leben im Center: “Es ist genau die Art, wie ich immer leben wollte. Ich kann hier ganz für mich sein, die Aussicht ist wunderbar, bestes Tageslicht, denn ich lese noch viel. Ich bin gerne mit meinen Gedanken allein“

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Dieser Abschnitt wirft nochmal einen ganz anderen Blick auf den „Schandfleck“ Universum Center. Denn das eigentliche Herz des Gebäudes – die Bewohner – sind gar nicht so negativ gestimmt, wie es die Presse verlauten lässt. Haluk Sivas ist seit 13 Jahren Hausmeister und Bewohner: „Als Mieter wohnst du hier fast wie im Hotel, brauchst dich um nichts zu kümmern. Das Haus hat einen schlechten Ruf? Wegen der Casinos? Es heißt hier lungern Spielsüchtige herum, schlechte Leute? Uli Hoeneß war auch spielsüchtig. Nein, es ist eine Sucht hier zu wohnen…“

Mit diesem Satz von Haluk Sivas endet der textliche Teil des Features. Und die schlechte Stimmung zu Anfang des Features ist schon fast wieder vergessen. Anschließend stellt eine Bildergalerie den Abschluss des Features dar. In einigen Schwarz Weiß Aufnahmen wird der Bau und die Blütezeit des Centers gezeigt und schließt die Geschichte positiv ab.

Fazit

Ich fand es schwierig zu diesem Feature Stellung zu beziehen, da es einige positive aber eben auch viele negative Eigenschaften aufweist. Das Feature ist schön zu lesen beziehungsweise anzuschauen, da es sehr übersichtlich aufgebaut ist. Die Texte sind kurz gehalten und auch die Handhabung ist sehr einfach. Aber es fehlt eben genau das Wichtigste und zwar der Inhalt. Meiner Meinung nach erhält man nicht genügend Informationen über das Universum Center. Angefangen von der spärlichen Infografik, über den fehlenden Zeitbezug bis hin zu den aussagelosen Bildstrecken. Abschließend lässt sich also sagen, dass mich das Feature einfach nicht befriedigt hat. Ich fühle mich mit den wenigen Informationen und den angerissenen Geschichten über das Center am Ende allein gelassen.

Titel: Ein Universum für sich

Institution: Südwest Presse

Idee: Manuel Bogner

Erscheinungsjahr: 2014

Lesezeit: circa 60 min

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